Mittwoch, 25. April 2012

"Die Bewerber sind nicht zu gebrauchen!"


Ein Unternehmer sprach mich kürzlich an und fragte mich um Rat bezüglich seiner Unternehmensnachfolge. Er möchte sein bestehendes Unternehmen verkaufen, das zugegebenermaßen hoch spezialisiert ist. Wie viele Unternehmer hat er ein Angebot in der Kammerbörse und in der Nexxt-Change-Börse des Bundeswirtschaftsministeriums aufgegeben. Immerhin sind aufgrund dieser Anzeige bereits einige Bewerbungen bei ihm eingegangen.

Ernüchtert berichtete er davon, dass er von den Bewerbungen sehr enttäuscht war. Kaum ein Bewerber hatte je in der Branche gearbeitet. Nirgends war erkennbar, ob der Bewerber bereits Leitungsfunktionen bzw. unternehmerische Verantwortung wahrgenommen hatte. Enttäuschtes Fazit des Unternehmers: „Ich glaube, es sind viele verkrachte Existenzen unter den Bewerbern zu finden! Mit den Rückläufen auf meine Anzeige kann ich nichts anfangen!“ Inzwischen ist er dazu übergegangen einen Kapitalnachweis zu verlangen, um die Hürde für Interessenten heraufzusetzen.

Diese Beschreibung deckt sich mit meinen Erfahrungen aus der Beratung von Unternehmern, die einen Nachfolger für ihr Unternehmen suchten. Welchen Schluss lassen die oben zitierten Sätze jedoch aus Sicht des Nachfolgers zu?

Erstens: Unternehmer suchen Interessenten, die über die notwendige Fach- und Branchenerfahrung verfügen. Außerdem sollten sie gewisse Erfolge in Projekten und / oder Unternehmen nachweisen können, die Initiative und unternehmerisches Handeln erkennen lassen.

Zweitens: Unternehmer wollen keine 08-15-Interessenten, die sich mal bewerben, um zu schauen was auf dem Markt ist. Sie wollen Bewerber, die sich ernsthaft und mit Blick auf ihre berufliche Zukunft für die Branche, die Produkte und Dienstleistungen, das konkrete Unternehmen und eine Übernahme interessieren.

Drittens: Mit einer soliden und professionellen Bewerbung kann man immer noch zwischen einer Vielzahl an schlechten Bewerbungen positiv herausstechen. Dabei hilft es, sich nur bei den Unternehmen zu bewerben, die ins eigene Branchen- und Such-Schema passen. Bei Unternehmen außerhalb des eigenen Kompetenzfeldes hat man nur sehr geringe Chancen.

Wie Sie sich als Nachfolger konkret auf eine Nachfolge vorbereiten können und was dabei zu beachten ist, werde ich in einer kleinen Artikelserie in den nächsten Wochen erläutern.