Mittwoch, 16. Mai 2012

Phase 3: Professionell bewerben!


Zur richtigen Bewerbung für Unternehmensnachfolger lassen sich tausend Dinge sagen. Ich gehe hier nur auf die wichtigsten ein.

Sie müssen als Nachfolger wissen, was sie wollen!
Wie soll Ihr (zukünftiges) Unternehmen aussehen? Welche Produkte und Dienstleistungen wollen Sie anbieten? Welche Kunden wollen Sie haben? Wenn Sie diese Fragen schon für sich beantwortet haben, können sie einerseits gezielt suchen und schnell abschätzen, ob Unternehmensangebote zu Ihren Zielsetzungen passen. Andererseits können Sie Unternehmern gegenüber selbstbewusst auftreten und ihnen Ihre Zielsetzungen vorstellen.

Ich selbst, wusste als Nachfolger nicht immer so genau, wo die Reise hingehen sollte und hatte daher Probleme bei der strategischen Ausrichtung unseres Familienunternehmens.
Als Berater habe ich später in Übergabeverhandlungen gesehen, dass die Nachfolger, die genau wussten was sie wollten, in den Verhandlungen viel kompetenter und glaubwürdiger aufgetreten sind. Einige Nachfolger haben dem Unternehmer nach dem Kennenlernen, einer Betriebsbesichtigung und ersten Gesprächen gesagt: „Diesen Betrieb nehme ich nicht, weil er nicht zu meinen Vorstellungen passt!“. Die Unternehmer hat das nicht enttäuscht. Sie waren dadurch noch mehr von der Kompetenz und Konsequenz der Kandidaten überzeugt. Im Gegensatz dazu stehen Kandidaten, die in den Gesprächen zwar ernsthaftes Interesse bekundet haben, dann aber nach der Frage zur zukünftigen Strategie keine Antwort wussten. Diese Interessenten haben in den Augen der Unternehmer sehr schnell an Glaubwürdigkeit und auch Vertrauen verloren, so dass die Verhandlungen schnell beendet wurden.

Bewerben Sie sich professionell!
Aussagekräftige und umfangreiche Bewerbungsunterlagen gehören zu jeder Bewerbung. Das fängt bei einem ausführlichen und aussagekräftigen Gesuch in einer Unternehmensbörse an. Lassen Sie sich nicht von den vielen schlechten Gesuchen, zum Beispiel in der Nexxt-Change-Börse verleiten, es diesen gleich zu tun. Schalten Sie ein ausführliches Gesuch, das Ihren Werdegang, Ihre Berufserfahrung und Ihr Know-how herausstellt. Geben Sie konkret an, welche Anforderungen (Größe, Umsatz, Mitarbeiterzahl, Ausstattung, usw.) Sie in Bezug auf das gesuchte Unternehmen haben. Das schränkt zwar die Zahl der in Frage kommenden Unternehmen ein, erhöht aber die Passgenauigkeit bei den Rückmeldungen von Unternehmern.
Bereiten Sie ausführliche Bewerbungsunterlagen vor. Wenn Sie sich irgendwo als Top-Manager bewerben wollten, würden Sie doch auch auf umfassende, fehlerfreie und aussagekräftige Bewerbungsunterlagen achten. Also punkten Sie mit einer professionellen Bewerbung. Achten Sie darauf, dass Sie dem Unternehmer absolute Vertraulichkeit zusichern, da viele Unternehmer kein Interesse daran haben, dass ihre Nachfolgepläne frühzeitig an die Öffentlichkeit geraten und bei Mitarbeitern, Lieferanten, Kunden und Banken für Aufregung sorgen. Gleichzeitig sollten Sie eine entsprechende Vertraulichkeit auch für Ihre eigene Bewerbung einfordern, da auch Sie kein Interesse daran haben können, dass ggf. Ihr aktueller Arbeitgeber von Ihren Bestrebungen erfährt.

Gehen Sie über die einschlägigen Nachfolgebörsen hinaus!
Natürlich liegt es nahe, sich zunächst in den einschlägigen Nachfolgebörsen von Kammern, Wirtschaftsförderungen und Verbänden einzutragen, um mit Unternehmern in Kontakt zu kommen. Schalten Sie entsprechende Gesuche (siehe oben) in diesen Börsen. Auch Anzeigen in Tages- und Fachzeitschriften können eine ergänzende Maßnahme sein.
Gehen Sie noch einen Schritt weiter und suchen Sie den persönlichen Kontakt zu Nachfolgeverantwortlichen in Kammern, Wirtschaftsförderungsgesellschaften und Verbänden (Arbeitgeberverbände, Innungen, Fachverbände, usw.). Dieser Personenkreis kommt mit vielen Unternehmern in Kontakt und könnte eine wertvolle Vermittlerrolle wahrnehmen. Gleiches gilt für Steuerberater und größere Wirtschaftsprüfungskanzleien, die ebenfalls Nachfolgefragen ihrer Mandanten im Auge haben.

Da ich selbst in entsprechender Funktion in einer Wirtschaftsförderungsgesellschaft gearbeitet habe, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es für mich immer leichter war, Personen zusammenzubringen, die ich persönlich kannte und mit denen ich schon einmal über ihre Nachfolgepläne gesprochen hatte.

Wenn Sie diese Punkte im Auge behalten, verschaffen Sie sich allein durch Ihre professionelle Bewerbung und das aktive Vorgehen entscheidende Vorteile.