Mittwoch, 10. Oktober 2012

Haben „Klassiker“ eine Überlebenschance?


In meiner Heimatstadt schließt gerade das traditionelle Hutgeschäft. Seit vielen Jahrzehnten war es der Ort, an dem Mann seinen Hut kaufte. Die Eigentümerin muss nun aus Altersgründen aufhören und leider ist es nicht gelungen, einen Nachfolger zu finden. So wie diesem Unternehmen geht es vielen. 

Mir stellten sich in diesem Zusammenhang zwei interessanten Fragen: 

Sind diese „Klassiker“ überhaupt noch zu retten?
Und wenn ja, was müsste ein Nachfolger leisten?  

Meine Erfahrung aus diversen Nachfolgeberatungen zeigt, dass in die Jahre gekommene Unternehmen sehr wohl zu retten bzw. fortzuführen sind. Allerdings muss die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens gegeben sein und der Betrieb muss dem technischen Standard genügen. Überschuldete Unternehmen und Betriebe mit einem hohen Investitionsstau sind in der Regel nicht mehr zu retten, da sie kaum vermittelbar sind. Hat das Unternehmen einen festen Kundenstamm und ist es gut in bestehende Märkte eingebettet, bietet es eine gute Grundlage für eine Übernahme.

Jetzt könnte man meinen, dass es kein Problem sein sollte, den Betrieb auf dem vorhandenen Status-Quo fortzuführen. Ein Trugschluss, dem viele potenzielle Nachfolger erliegen. 

Wer so tut, als könnte man ein Unternehmen auf der Ebene des Erreichten halten, der verkennt die tatsächlichen Gegebenheiten. Unternehmen müssen sich entwickeln! Sie können nicht auf einer Stufe (Status-Quo) stehen bleiben, denn ihre Umwelt verändert sich. Kundenbedürfnisse und Wünsche ändern sich! Die Konkurrenz baut Druck auf! Technischer Fortschritt führt zu Veränderungen der Produktion und Distribution! Gesetze ändern sich! Die Anforderungen an das Unternehmen und seine Mitarbeiter steigen! Vor dem Hintergrund dieser Veränderungen müssen sich Unternehmen immer wieder neu erfinden. Sie müssen Produkte und Dienstleistungen weiterentwickeln und sich auf neue / veränderte Zielgruppen einstellen. 

Die Hauptaufgabe von Nachfolgern besteht darin, die Veränderungen zu sehen, Neues ins Unternehmen einzubringen und es dadurch weiterzuentwickeln. Neue Geschäftsideen, Geschäftsmodelle und Unternehmenskonzepte müssen gefunden und umgesetzt werden. Nur so haben auch „klassische“ Unternehmen eine Zukunft. 

Was würde das mit Blick aufs Hutgeschäft bedeuten? Zum Beispiel: die Spezialisierung auf bestimmte Zielgruppen; der Verkauf nicht nur von Herren, sondern auch von Damenhüten; die Einführung von Kundenbindungsprogrammen und eines Online-Handels; die Kooperation mit anderen Bekleidungsgeschäften, etc. Wie man an diesen Punkten sieht, wäre eine radikale Neuausrichtung des Unternehmens notwendig. Viel Arbeit, die mit einem hohen persönlichen Engagement und finanziellen Investitionen verbunden wäre.