Donnerstag, 27. Februar 2014

Nachfolge-Planspiel der HWK Dortmund


Unter dem Titel „Ganz schön große Fußstapfen? - Wie man Unternehmensnachfolger wird“ biete ich am 27. und 28. Juni 2014 ein Planspiel für Unternehmensnachfolger im Bildungszentrum des Handwerks der Handwerkskammer Dortmund an.

Ziel ist es, potenziellen Nachfolgern die Übernahme eines bestehenden Unternehmens anhand eines konkreten Praxisfalls näher zu bringen. Versetzen Sie sich in die Lage des Nachfolgers, der Informationen aus einem Unternehmen auswerten und bewerten muss. Bilden Sie sich ein Urteil über das Unternehmen und seine Chancen und Risiken. Legen Sie fest, was sie bereit wären für das Unternehmen zu zahlen. Strukturieren Sie den Nachfolgeprozess bis zu einer Übernahme.

Anmeldungen für dieses Planspiel nimmt das Bildungszentrum der Handwerkskammer Dortmund auf seiner Internetseite entgegen.

Unternehmensnachfolge braucht Vertrauen



Bei einer Unternehmensnachfolge treffen mindestens drei Hauptakteure aufeinander: der Unternehmer, sein Nachfolger und das Unternehmen hinter dem wiederum Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und Partner stehen. Die Zielsetzungen dieser Akteure sind sehr unterschiedlich und können sich wiedersprechen. Daher ist ein fairer Ausgleich der Einzelinteressen besonders wichtig. Dieser kann aber nur gelingen, wenn das notwendige Vertrauen vorhanden ist. 

Aber was bedeutet Vertrauen in diesem Zusammenhang? Kann ich jemanden dazu bringen mir zu vertrauen? Oder kann ich nur alles dafür tun, dass ich ihn nicht enttäusche?

Ein konkretes Beispiel aus einem Nachfolgefall 

Das Unternehmerehepaar hatte bereits einige Gespräche mit potenziellen Nachfolgern geführt. Ein junger Meister hatte im Erstgespräch durch Kompetenz, Berufs- und Branchenerfahrung auf sich aufmerksam gemacht und für sich punkten können. Es wurden weitere Gespräche geführt, das Unternehmen besichtigt, Bilanzen ausgetauscht. Das Unternehmerehepaar brachte dem Kandidaten relativ schnell Vertrauen entgegen. In einem folgenden Bankgespräch, bei dem es um die Finanzierung der Übernahme ging, signalisierte die Bank ihre Unterstützung des Übernahmevorhabens. Der potenzielle Nachfolger konnte oder wollte sich plötzlich nicht mehr festlegen, was die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens und das Fortführungskonzept anging. Ein Punkt, den das Unternehmerehepaar von Anfang an als besonders wichtige Zielsetzung kommuniziert hatte. Das Vertrauen der Unternehmer in den Nachfolger war verspielt. Das Unternehmen wurde letztlich an ein anderes Unternehmen innerhalb der Branche verkauft. 

Was lehrt dieses Beispiel? 

Vertrauen ist zunächst ein Vorschuss, der einer Partei gewährt wird. Gerade in Nachfolgefällen basiert es darauf, dass derjenige, dem das Vertrauen entgegen gebracht wird, dazu beiträgt, die verfolgten Ziele zu erreichen. Indem er die Ziele entweder teilt oder sie akzeptiert. 

Nachfolger können zwar durch Kompetenz, Offenheit und Zuverlässigkeit dazu beitragen, beim Unternehmer Vertrauen zu bilden, in der Regel haben sie aber relativ wenig Einfluss darauf. Vieles geschieht unterbewusst und auf einer sehr emotionalen Ebene. Oft reichen ein paar Äußerungen aus, das Vertrauen zu verspielen und die Unternehmensnachfolge platzen zu lassen. Vielfach finden diese Prozesse schon im Erstgespräch statt und es entscheidet sich sehr schnell, wer als Nachfolger in die engere Wahl kommt. 

Was für den Unternehmer gilt, trifft auch für Mitarbeiter, Lieferanten, Partner und Kunden zu. Auch bei diesen muss ein Nachfolger Vertrauen aufbauen und sich seine Stellung verdienen. Als Nachfolger im Familienbetrieb hatte ich zwar Weisungsbefugnisse gegenüber den Mitarbeitern, aber niemals das gleiche Vertrauen, wie mein Vater, der viele diese Mitarbeiter eingestellt hatte und über Jahre kannte. Vergleichbares galt für die Kundenseite. Langjährige Kunden meines Vaters hatten ein Problem damit, mir als Nachfolger (damals Mitte 20) zu vertrauen. Bei Kunden, die ich selbst akquiriert und aufgebaut hatte, gab es diese Probleme nicht. 

Hauptaufgabe einer Unternehmensnachfolge ist daher nicht nur, Vertrauen gegenüber dem Unternehmer aufzubauen. Dies können Nachfolger durch Kompetenz, nachweisliche Erfolge und das Einhalten von Vereinbarungen erreichen. Eine Hauptaufgabe der Unternehmensnachfolge liegt darin, das Vertrauensgeflecht zwischen dem Unternehmen, seinen Mitarbeitern, Partnern und Kunden zu übertragen. Ein Vertrauensverlust führt zum Bruch von Verbindungen und sehr schnell zu kostspieligen Auswirkungen. Sei es, das Know-how abwandert, weil Mitarbeiter gehen, oder weil Kunden bzw. Lieferanten abspringen. 

Daher haben sich Unternehmensübertragungen bewährt, die langfristig angelegt sind. Der Nachfolger arbeitet zunächst im Unternehmen mit und übernimmt es nach einer gewissen Einarbeitungszeit oder der Unternehmer arbeitet noch einige Zeit im Unternehmen mit, auch wenn er den Betrieb schon an seinen Nachfolger übergeben hat. Durch solch fließende Übergänge ist es möglich, nicht nur das Eigentum, sondern auch das Management fließend zu übertragen. Nicht nur der Unternehmer, sondern auch die Partner des Unternehmens haben Zeit, sich ein Bild von dem oder der „Neuen“ zu machen und Vertrauen aufzubauen.
Meine Familie hatte keinen festen Fahrplan für die Übergabe, daher verliefen bestimmte Schritte etwas chaotisch. Aus dieser Erfahrung heraus empfehle ich heute, einen festen Nachfolgefahrplan zu erstellen, der regelt, wer welche Aufgaben übernimmt  und wann die bestehenden Beziehungen und Kontakte übertragen werden.